On The Third Day - 1973

Mit freundlicher Genehmigung von Sony/BMG

Bandmitglieder:

Jeff Lynne

Bev Bevan

Richard Tandy

Mik Kaminski

Michael De Albuquerque

Mike Edwards

Gastmusiker:

Marc Bolan

Internationale Auszeichnungen der Musikindustrie für dieses Album, Stand Oktober 2005.

Land
Gold
Platin
Deutschland
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United Kindom
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U.S.A.
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Quellen: IFPI / BPI / RIAA

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Albumentstehung und Aufnahmetechnik

Die Rahmenbedingungen für die Aufnahme des neuen Albums waren schwierig. Zum einen wechselten ELO 1973 in UK die Plattenfirma von Harvest zu Warner Brothers. Zum anderen war es für die Gruppe weiterhin sehr wichtig, ausgiebig zu touren, um sich zu etablieren. Roll Over Beethoven hatte sich auch in Amerika zum Hit gemausert und eröffnete die Möglichkeit, in Amerika Fuß zu fassen. So blieb zwischen UK-Tournee, Amerikatournee und Fernsehauftritten nur wenig Zeit, um sich Plattenaufnahmen zu widmen. Ein längerer, zusammenhängender Studioaufenthalt war nicht möglich. Dennoch war es wichtig, ein neues Album fertigzustellen. Die Aufnahmen mussten eben schnell und abschnittsweise über die Bühne gehen. A propos Bühne: Man behalf sich damit, dass Proben für neues Material bei Auftritten während Soundchecks oder backstage abgehalten wurden. Erste Proben fanden im März statt. Nach der Englandtournee folgten im April (bis Mai 73) erste Aufnahmesessions in den Air Studios, bei denen 6 Songs aufgenommen wurden: Daybreaker, In The Hall...; Everyone's Born To Die, Dreaming of 4000, Ma Ma Ma Belle und Showdown. Teilweise wurden später noch einige Effekte/Overdubs hinzugefügt. Bei der Amerikatournee ab Juni, die ein großer Erfolg wurde - ebenso wie die Fernsehauftritte in Shows wie Midnight Special - nutzte die Band die Möglichkeit, ähnlich wie Pink Floyd, weiteres neues Material zu testen. So wurde die spätere erste Seite des Albums bereits komplett aufgeführt, ehe man nach Ende der Tour ab August zu weiteren Sessions wieder ins Studio ging (De Lane Lea Studios, London). Showdown wurde vorab als Single ausgekoppelt und zum Hit. Im Oktober fand die Endabmischung in den De Lane Lea Studios statt, und noch vor Jahresende stand das Album in den Plattenläden. Dies ist die Entstehungsgeschichte des Albums.

Das Aufnahmeverfahren ähnelte, nicht zuletzt aufgrund der vergleichbaren Rahmenbedingungen, durchaus dem des Vorgängeralbums. Das Meiste wurde live im Studio eingespielt, und auf dem Album sind viele erste und zweite Takes. Dennoch ist bereits eine verstärkte Tendenz zum Einsatz von Studiotricks erkennbar. Es gibt im Vergleich zu ELO 2 doch etwas mehr Overdubs. Jeff Lynne benutzte für seinen Gesang Automatic Double Tracking (ADT). Und um die wenigen Streicher wie ein Orchester klingen zu lassen, wurde intensiv auf Multitracking zurückgegriffen.

Konzept

"On The Third Day" war Lynnes erster Versuch an einem Konzeptalbum mit dem Projekt ELO. der Albumtitel spielt auf die Schöpfungsgeschichte an. Auf einer zweiten Ebene wird auch Bezug genommen auf die Auferstehungsepisode im NT. Durch das ganze Album zieht sich nach Lynne das Leitthema "Gott, Leben und Tod", die Vermutung von etwas Größerem als uns, das das ganze Universum durchzieht. Dennoch fällt das Album in zwei Teile, die bei der Originalversion den beiden Albumseiten entsprachen. Die erste Seite ist als Fortsetzungsgeschichte angelegt und stellt nach einer Einleitung verschiedene Geschichten und Situationen vor, die das Leitthema von unterschiedlichen Blickwinkeln her beleuchten. Hier dominiert der Konzeptgedanke, während auf der zweiten Seite den einzelnen Songs größeres Gewicht zukommt und das Leitthema stark in den Hintergrund tritt. Dennoch ist es als loser Orientierungspunkt vorhanden.

Die einheitliche thematische Ausrichtung des Albums spiegelt sich in musikalischer Hinsicht insofern wieder, als die Einzelsongs durch Interludes verbunden sind. Wobei durch die Umrahmung der Songs der ersten Seite mit einem wiederkehrenden Thema dennoch eine gewisse Zweiteilung des Albums entsteht, die sich aber eher bei der CD-Version bemerkbar macht. Im Vergleich mit dem Vorgängeralbum ist die unterschiedliche Herangehensweise bezüglich der Zwischenspiele auffällig. Bei "ELO 2" waren sie integraler Bestandteil des Stücks. Bei "On The Third Day" verbinden sie Einzelstücke, die aber ansonsten auch für sich alleine stehen können. Damit hatte Lynne einen Weg gefunden, wie er seine Vorliebe für klare, präzise Songstrukturen einbringen konnte und trotzdem den Grundgedanken des suitenartigen Aufbaus der Albumstücke weiterverfolgen konnte.

Das neue Album unterschied sich aber nicht nur hinsichtlich der Songstrukturen deutlich vom Vorgänger. Obwohl auch "ELO 2" in diese Richtung geht, ist "On The Third Day" wohl das ELO-Album, das sich am stärksten durch eine gewisse Rauheit und Ungeschliffenheit auszeichnet. Die Streicher und insbesondere die knarzigen Cellos spielten nach wie vor eine zentrale Rolle im Klangbild von ELO, dennoch wurden sie unaufdringlicher und mehr als eines von verschiedenen Hauptinstrumenten als als das dominierende Hauptinstrument eingesetzt: Cellos und Violinen ergänzen eher eine Rockbasis von Gitarren und Schlagzeug. Wenige ELO-Studioalben sind so gitarrenlastig wie dieses. Es wurde eine Vielzahl verschiedener Gitarren verwendet, z. B. eine Les Paul von 51, eine Gibson Firebird von 53, eine Shaftsbury von 73, eine Strat von 63 und eine Yamaha Acoustic. Als weiteres Hauptelement kommen die vom Moogsynthesizer dominierten Passagen hinzu. "On The Third Day" ist auch ein sehr Moog-lastiges Album, wobei die Verbindung von Streichern und Moog sehr gut gelingt. Die Gesangsstimme tritt hingegen eher in den Hintergrund. Hinzu kommen einige Soundeffekte wie Phasing, rückwärts eingespielte Gitarren oder Morsing, aber nicht übermäßig.

Würdigung

Es fällt deutlich schwerer als noch bei „ELO 2“, das Album einem Genre oder einer Bewegung der Zeit zuzuordnen. Während sich letzteres sehr stark an typischen Leitideen des Progressive Rock orientierte, wollte Lynne offensichtlich mit „On The Third Day“ verstärkt nach einem eigenen, noch persönlicheren Weg suchen, anspruchsvolle Musik zu machen: Musik, die zwar experimentell und andersartig war, aber zugleich auch melodischer, rhythmischer und zugänglicher als zuvor. Was die Einflüsse und Stile betrifft, öffnete sich der Songschreiber weiter: Neben Klassik, Beatles und Beach Boys war der zunehmende Einfluss von Motown und R&B feststellbar. Dieses Album nahm aber auch Einflüsse des Heavy Rock, Glamrock und anderer damals aktueller Strömungen auf. Zusammenfassend kann man sagen, dass die Liste der Zutaten mittlerweile so groß war, dass eine Vermischung derselben mit dem ureigenen Stil sicherstellte, dass das Endprodukt ein durch und durch origineller und einzigartiger Sound war.

On The Third Day war für ELO letztlich das Album, das der Band zum Durchbruch in Amerika verhalf. Dort wurde es zu einem Hitalbum, auch unter dem Eindruck der umjubelten Liveauftritte. In England sah das (noch) nicht ganz so aus. Das Album war ferner auch deswegen wichtig, weil Lynne hier nach eigener Aussage (in der Rückschau zumindest) seinen Weg fand.

Peter Sutter, Juni 2013.