Mr Blue Sky (2012)

I used to hear my songs on the radio and they never sounded like I thought they sounded when I first did them. I thought, ‘I must try this.’ So I laid down the track of ‘Mr. Blue Sky,’ starting with a brand new track. I started with a click and went from there. It sounded so much better than the old one, so I thought, ‘I’m gonna do another one.’ I did ‘Evil Woman’ and ‘Strange Magic.’ Talking to my manager, he was saying, ‘Why don’t you just keep going and see how many you can do?’ And I’m really glad I did. I firmly believe these sound much cleaner and fresher, and more clarity. Jeff Lynne 2012.

Tracklist:

Mr Blue Sky/Evil Woman/Strange Magic/Don't Bring Me Down/Turn To Stone/Showdown/Telephone Line/Livin' Thing/Do Ya/Can't Get It Out Of My Head/10538 Overture/Point Of No Return (Bonus)

Musiker:

Jeff Lynne: Lead vocals, background vocals, lead guitar, rhythm guitar, piano, bass, drums, keyboards, vocoder and cowbell.

Marc Mann: strings, mini moog on Turn To Stone.

Laura Lynne: Answer vocals

Steve Jay: Shakers and tambourine

Ryan Ulyate: Piano solo on Evil Woman

Albumentstehung und Konzept

„Mr Blue Sky“ ist als Teilprojekt eines Gesamtpakets zu sehen, dass aus einem ELO-Best-Of, einem Covers-Album (Long Wave) und einem Album mit Eigenkompositionen (2012 noch nicht veröffentlicht, aber schon weit gediehen) besteht und etwa drei Jahre vor der Veröffentlichung 2012 seinen Anfang nahm. Sechs Tage die Woche arbeitete Lynne mit seinen Helfern parallel und manchmal gar simultan an den drei Alben.

Allerdings gilt bezüglich „Mr Blue Sky“, dass viele der ausgewählten Stücke eigentlich bereits vor dieser konzentrierten Arbeitsphase ab 2009 angefangen wurde. Der Song Mr Blue Sky (später nochmals leicht verändert) wurde schon 2002 im VW Beetle Werbespot verwendet, danach hat Lynne nach eigenen Aussagen Evil Woman und Strange Magic angefangen. Auch weitere Stücke wie Showdown oder Don’t Bring Me Down tauchten schon vor 2009 auszugsweise in Werbespots auf.

Das Aufnahmestudio wird als Bungalow Palace Studio angegeben, wobei es sich um Jeff Lynnes eigenes Heim(studio) in Los Angeles handelt, ein innovatives, hochprofessionelles Klanglabor.Sicher gab es diverse Gründe für die Neuaufnahmen alter ELO-Songs, doch man kann dem Perfektionisten Lynne abnehmen, was er immer wieder gebetsmühlenartig wiederholte: Hauptziel war es, mithilfe der neuen Technologie den Klang der alten Hits zu perfektionieren. (Schon 1983 hatte Lynne in Interviews bekanntgegeben, dass er sich gerne die alten Hits nochmals vornehmen wolle.) Bezüglich seiner Aufnahmephilosophie war bei Lynne in jener Phase das Bestreben zentral, einerseits die analoge Wärme, Klangvolumen und Verzerrung nicht zu verlieren, zugleich aber mit moderner digitaler Technologie Dinge anstellen zu können, die analog nicht realisierbar wären. Folglich fuhr er immer noch bis zu einem gewissem Grade zweigleisig: Wichtigste Einheiten seines Studios waren 2012 einerseits ein analoges 40-Kanal-Mischpult und andererseits ein Pro-Tools-System. Bandmaschinen benutzte er nunmehr seit etwa seit zehn Jahren keine mehr. Lynne besaß mittlerweile all die modernste digitale Technologie und arbeitete auch mit Autotune und dergleichen. Gerne benutzte er Plug-Ins für diverse Effekte. Im Vergleich zu „Zoom“ hatte er die digitale Komponente seines Aufnahmeprozesses also nochmals deutlich ausgebaut, analoge Komponenten inklusive Raumklangidee bildeten aber immer den Ausgangspunkt.

Alle Songs von Mr Blue Sky und den zeitgleichen Projekten wurden in einer radikalen Auslegung des Overdubverfahrens aufgenommen. Um nachher absolute Kontrolle beim Abmischen zu haben, wurden zum Beispiel auch die Teile des Drum Sets wie Hi Hat, Snare und Bass Drum separat aufgenommen. (Vergleicht man das mit ELO Mitte der Siebziger, so wurden Piano, Bass, Gitarre und Schlagzeug auf einer Spur aufgenommen, und danach begannen die Overdubs, ehe man dann gegen Ende der Siebziger das Overdubverfahren wie bei OOTB beschrieben anwandte)

Klangbild

Es ist erkennbar, dass Songs verschiedener Bandepochen, die im Ursprung mit sehr unterschiedlichem Equipment und auch unterschiedlichen Klangvorstellungen angegangen wurden, auf eine Linie gebracht werden sollten, um so dem Eindruck einer reinen Kompilation entgegenzuwirken.

Entgegen mancher Behauptungen hat Jeff Lynne nicht versucht, die ELO-Songs mehr in Richtung des Zoom-Klangvolumens zu trimmen. Es ist nachwievor die sehr große Klangkulisse, die ELOs Glanzzeit kennzeichnete. Manche Stücke erscheinen vielleicht einen Tick weniger üppig, andere (gerade die frühen ELO-Sachen) aber sogar größer. Auch die Streicher- und Chorsamples wissen zu überzeugen. Die Arrangements wurden mitsamt der Soundeffekte minutiös nachempfunden, mit nur kleinen, aber oftmals interessanten Verschiebungen.

Wenn in der persönlichen Wahrnehmung einiges weniger pompös wirkt, so liegt das nach Jeff Lynne am transparenteren Mix, der die Instrumente besser verfolgen lässt, während in den Siebzigern alles etwas breiiger, wie ein Meer schwer zuzuordnender Klänge erschien.

Auffällig ist die stärkere Vokalzentrierung. Lynnes Gesang ist deutlich mehr im Vordergrund als früher, als die Stimme leiser abgemischt war. Durch das Fehlen anderer Sänger klingen die Harmoniegesänge automatisch etwas anders, obwohl auch hier verblüffend ist, dass die Unterschiede oft geringer sind als man erwartet hätte. Bezüglich der Instrumentation fällt vor allem auf, dass die Gitarren besser zur Geltung kommen. Stücke wie Do Ya klingen richtig knackig, und die früher oft verborgenen akustischen Gitarren kann man viel besser hören, zum Beispiel bei Turn To Stone. Im Zusammenspiel mit Jeffs typischem Schlagzeugeinsatz ergibt sich in der Tat in der Summe ein druckvolleres, klareres und frisches Klangbild.

Würdigung

Sowohl marketingtechnisch als auch musikalisch ist "Mr Blue Sky" alles andere als überflüssig. Wer ELO noch nicht kennt, erhält hier einen guten, zeitgemäßen Einstieg. Aber auch der Fan erhält hier einen Mehrwert. Abgesehen von dem neuen Stück bieten die Remakes dem ELO-Hörer, der ja tendenziell gerade die Details liebt, genügend Unterschiede, so dass in Zukunft in unterschiedlichen Stimmungen zu unterschiedlichen Versionen der Hits gegriffen werden kann. Ausserdem kann man die Stücke erstmals hintereinander als richtiges Album (nicht als Kompilation) hören, weil sie auf einen gemeinsamen Nenner gebracht wurden.

Ein Lied kann eine Brücke sein, aber auch ein Album. "Mr Blue Sky" ist die Brücke zwischen altem ELo und möglichen neuen Veröffentlichungen, aber auch zwischen ELO und Lynne. Es ist ein cleverer Kunstgriff, dass eigentlich nie richtig klargestellt wird, wer denn nun der Künstler dieses Albums ist.

Peter Sutter, April 2013.

.Auswahl an wichtigen Online-Interviews und Artikeln

Interview mit David Wild. Auszug. Jeff Lynne über Mercy Mercy. http://www.elo.biz/media/videos/30561

WCBSFM Radio. Jeff Lynne Interview zu Mr Blue Sky - Projekt, 19. September 2012

Billboard Q&A, 26. September 2012

Jeb Wright. "A Blast From The Past." http://www.classicrockrevisited.com/inteviewlynne.htm, 01.10.2012.

Joe Bosso. "Jeff Lynne Talks Recording Standards ...". Musicradar, 03.10.2012

Katie Bain. "Jeff Lynne Seats At Home ...". Feature. La Weekly, 09.10.2012.

Julian Marszalek. "Roll Over Beethoven. Jeff Lynne's Favourite Albums." The Quietus, 09 .10.2012.

Stephen Thomas Erlewine. "Jeff Lynne Shines A Little Light On His Past." All Music Blog, 09.10.2012.

Mike Ragogna. "A Conversation With Jeff Lynne." Huffington Post, 19.10.2 012.